Ich habe einen ganz anderen Namen.

Es war ein ganz normaler Tag, an dem ich wach wurde. Ich bin aufgestanden, habe mich geduscht, mein Brot geschmiert, den Rucksack gepackt und bin zur Arbeit gefahren. Alles wie immer. Als ich im Büro ankam wurde ich auch wie immer begrüßt. “Guten Morgen” hier, “Aus dem Bett gefallen?” da, also wie immer.
Ich arbeite zurzeit in einem Großraumbüro, 15 Mitarbeiter Arbeiten mehr oder weniger gemeinsam an einem Projekt, von der groben Planung eines Produktes, bis hin zur Fertigstellung und Vermarktung. John, ein Kollege, mit dem ich auch schon das ein oder andere Bierchen am Wochenende getrunken habe, sagte plötzlich: “Jack, schau dir das mal an, hier stimmt was nicht.” Da wir keinen Jack im Büro haben, hab ich ihn dann gefragt, wen er meint. Doch er sagte nur trocken:”Na dich, hasst du gestern wieder zu viel Bier vorm Fernseher getrunken, oder was ist los?” Ich wunderte mich: “Haha, der war gut, ich heiße doch nicht Jack.” Doch er antwortete: “Klar, was ist los mit dir? Alles in Ordnung?”. Ich wurde wohl Kreide bleich. John setzte mich auf einen Stuhl neben Ihm und rufte vorne im Sekretariat an: “Bringt mal schnell eine Flasche Wasser nach hinten, es ist Wichtig!”

Ich musste laut lachen als sich mehrere Kollegen um mich versammelten und mich wohlwollend anschauten: “Ihr wollt mich doch wohl dran kriegen, ist heute der erste April oder so ein anderer Scherze Tag? Habt ihr gut gemacht, sogar Lara eingespannt.”

In dem Moment kam eine hübsche Sekretärin mit 3 Wasserflaschen und einem Glas an. Die Auswahl an Getränken im Büro ist immer sehr gut. Es gibt Stilles, Medium und normales Wasser. Also welches ohne, wenig und viel Kohlensäure. Auch Kaffee und Tee gab es immer zur genüge, vor allem an die 100 Teesorten.
Lara war hell-brünett, hatte eine schlanke Figur, war etwas kleiner als ich und im lässigen Business Outfit gekleidet. Ihr Gesicht war sehr Hübsch, die kleine Stupsnase hatte was niedliches an sich, genauso ihre Grübchen, wenn sie sich sorgen machte. Diese traten auch stärker als gewöhnlich vor. Ich musste schrecklich ausgesehen haben. “Jack, ist alles in Ordnung? Soll ich einen Krankenwagen rufen?” sorgte sie sich. “Nein! Es ist alles in Ordnung” antwortete ich genervt. “Und hört auch mich Jack zu nennen, das ist nicht mehr lustig!”. John fragte: “Aber… Aber wie sollst du denn heißen, wenn nicht…” Lara unterbrach John: “Nenn mir deinen vollen Namen, dein Geburtsdatum und wo du dich gerade befindest!” Ich antwortete ernst: “Mein Name ist Paul Lucó, ich wurde am vierten August 1988 geboren. Ich, nein Wir sind hier auf der Hauptstraße 59 in 51570 Windeck. Gegenüber ist das Hotel Burgcafé, wo wir kommenden Freitag unsere Jahresversammlung haben.” John und Lara wunderten sich. “Es stimmt alles bis auf deinen Vor und Nachnamen!” antwortete John leicht nervös. “Du heißt Jack Cand!” “Sag mal spinnst du? Das ist doch nicht euer scheiß ernst” antwortete ich, während ich lauter wurde. Ich stand auf, nahm meinen Geldbeutel auf der Hose und zog den Personalausweis heraus und warf diesen auf dem Tisch. “Sehr ihr, mein Name ist Paul Lucó verdammt nochmal!”. “Ähm.. d.. da steht Jack Cand..” entgegnete John. Ich konnte es nicht fassen, nahm John den Ausweis aus der Hand und schaute drauf. Da stand wirklich Jack Cand neben meinem Bild.

Als ich im Krankenhaus wieder zu mir kam, saß Lara an meinem Bett, ihr Kopf lag auf der Matratze, auf der ich wohl geschlafen habe. Ich blieb noch einige Zeit regungslos liegen, bis ich auf die Toilette musste. Vorsichtig schob ich meine Decke an die Seite und stieg heraus. Als ich aus der Toilette kam, war Lara wach. Ihr Gesicht war noch niedlicher als sonst, ein bisschen zerknautscht vom faltigen Bettbezug. Ich sagte vorsichtig: “Oh, ich wollte dich nicht wecken.” “Wie geht es dir?” sagte Lara, ohne weiter aus meine Frage einzugehen. “Wie soll es mir gehen, ich bin ausgeschlafen und ich glaube recht fit.” “Aber du bist nachdem du auf deinen Ausweis geschaut hast, plötzlich zusammengebrochen. Da haben wir dich ins Krankenhaus gebracht. Der Arzt hätte zu lange gebraucht, haben die am Telefon gesagt. John und Thomas haben dich zum Auto getragen und hin gefahren.” Warte, wie spät ist es?” fragte ich.
“Es ist kurz nach Neun Uhr morgens… Sonntag. ”
“Wie es ist Sonntag? Willst du mich schon wieder dran kriegen? Wir hatten gerade doch noch Donnerstag.” antwortet ich ruhig.
“Du hat 3 Tage geschlafen und mir große Sorgen bereitet!” sagte Lara traurig.
“Wo ist ein Arzt? Ich will mit einem Arzt sprechen!”
“Jack, die Ärzte sind heute nur im Notdienst zu erreichen. Es ist Sonntag!”
“Tust du mir ‘nen gefallen und versuchst mich nicht mehr Jack zu nennen? Nenn mich Paul, jedenfalls bis ich weiß was hier los ist.”
Da kam eine Krankenschwester ins Zimmer. “Oh, Sie sind wach. Warten Sie, ich hole den Doktor!” sagte sie überrascht und stürmte aus dem Zimmer. Ich schaute Lara leicht vorwurfsvoll an, aber lachte leicht um ihr kein schlechtes Gefühl zu geben. Kurz darauf kam der Arzt schon rein. “Na wie haben Sie geschlafen? Ich hoffe gut, des Sie waren lange weg.” “Ja.” sagte ich. “Für 3 Tage” und streckte mich. “Was ist mit meinem Namen?” “Wie mit Ihrem Namen? Hier auf dem Zettel steht >Jack Cand<.” sagte der Doktor und tippte mit einem Blauen sehr teuer aussehenden Kugelschreiber auf ein Blatt mit diesem Namen. Da wusste ich, er hat auch keine Ahnung was ich meine. “Sie sind doch Jack Cand, oder etwa nicht? “fragte der Arzt mit aufkommender Nervosität. “Doch, sehen Sie, seinen Perso habe ich hier.” sagte Lara und holte den Ausweis aus ihrer Tasche. “Ah, okay. Gut also kein Verwaltungsfehler unsererseits.” sagte die Krankenschwester die kurz nach dem Doktor ins Zimmer gelaufen kam. Daraufhin sagte der Arzt beruhigend: “Keine Sorge, so etwas kommt eigentlich Nie vor. Wir haben seit der Umstellung keine Probleme mehr gehabt. Aber wie meinen Sie das mit dem Namen?” Ich antwortete überlegt: “Nun, ich meine ich heiße Paul Lucó. Der Rest auf dem Ausweiß stimmt aber mit mir überein. Geboren am vierten August 1988. Nur mein Name ist irgendwie ein anderer.” “Dann begrüße ich Sie mit Ihrem neuen Namen Herr Jack Cand. Aber Spass bei Seite. Ich veranlasse einen CT bei Ihnen mit Wichtigkeitsstufe 3. Sprich Sie sind noch im laufe dieser Woche dran mit dem Scan und müssen nicht 3 Monate oder noch länger warten.” sagte der Arzt. “Ähm, okay und was mache ich bis dahin? Kann ich Arbeiten ge….” fragte ich, doch der Arzt unterbrach sofort: “AUF keinen Fall Arbeiten, Herr Cand. Sie bleiben hier im Krankenhaus, bis wir mehr wissen.  Sie waren Kreidebleich, hatten kaum Puls. Wer weiß ob Sie nicht noch mehr Defizite haben, oder sich beim Umfallen den Kopf gestoßen haben. Ein Beule war an Ihrer Stirn zu sehen.” Lara sagte daraufhin: “Ja, du hast dir den Kopf am Tisch gehauen und sogar die Papiere von John durch die Luft geschossen. Sah super aus, wie im Film.” Aus ihrer kurz lächelnden Miene wurde wieder eine besorgte. “Schwester Driehaus, ich hätte gerne noch einen Bananenbeutel und gegen den Krampf in der Wade eine Magnesium Brausetablette.” Plötzlich bemerkte ich erst, das ich mir seit mindestens 3 Minuten die Linke Wade massierte und mein Fuß sehr angespannt war. “Ähm, danke Herr Doktor.” “Besuch dürfen Sie aber empfangen.” sagte der Doktor freundlich verabschiedete sich und ging mit der Schwester raus.

“Irgendwas stimmt trotzdem nicht, alles ist irgendwie so komisch. ich glaube die Schwester habe ich schon mal gesehen. ”
“Ja, bestimmt im Rewe, ich hab sie öfters da einkaufen sehen. Ist ja nicht weit vom Büro.” sagte Lara.
“Ja kann sein, die wohnt bestimmt da in der Nähe.” antwortete ich, aber mit dem Gedanken, dass das nicht richtig ist.

Veröffentlicht in smith